
Kirgisistan: UNHCR benötigt 23 Millionen US-Dollar
Genf - Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) fordert die kirgisischen Behörden dazu auf, die Rückkehrbedingungen für die 75.000 verbleibenden Binnenvertriebenen deutlich zu verbessern. Gleichzeitig ruft UNHCR zu Spenden in Höhe von 23 Millionen US-Dollar auf, die für den Nothilfe-Einsatz im Süden Kirgisistans benötigt werden.
"Mit neuen Fördermitteln könnten wir Flüchtlingschutz sowie rechtliche und humanitäre Unterstützung für die Betroffenen bis zum Jahresende gewährleisten," teilte UNHCR-Pressesprecherin Melissa Fleming in Genf mit. "Darunter die Neuausstellung bzw. -beschaffung von Ausweisdokumenten und Besitzurkunden sowie die kostenfreie Rechtsberatung."
Der UNHCR-Appell an die internationale Staatengemeinschaft ist Teil des Aufrufs der Vereinten Nationen für Kirgisistan, um den Bedarf von insgesamt 96,4 Millionen US-Dollar decken zu können.
Bereits im Juni hatten Unruhen in Südkirgisistan 400.000 Menschen zur Flucht gezwungen. 100.000, die in das Nachbarland Usbekistan geflohen waren, sind inzwischen zurückgekehrt. 75.000 derer die innerhalb der Landesgrenzen flohen sind weiterhin heimatlos.
Jeden Tag besuchen die UNHCR-Teams Flüchtlinge in Osch und Jalalabad, die sich über Festnahmen und Belästigungen beschweren. Außerdem bemängeln sie Schwierigkeiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung und anderen Dienstleistungen. Die gleichen Beschwerden gehen bei der 24-Stunden-Hotline von UNHCR ein.
"Wir brauchen dringend Lebensmittel, Kleidung und andere Dinge," erzählte eine ältere Frau aus Osch. „Wir warten darauf, dass etwas passiert, aber bisher haben wir noch keine Ergebnisse gesehen. Die Regierung ist noch nicht gekommen, um sich ein Bild von unserer Lage zu machen und wir wissen nicht, ob es irgendeinen Plan für den Wiederaufbau unserer Häuser gibt."
In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen kümmert sich UNHCR um den Rechtsschutz für die Betroffenen und hilft, verlorengegangene Dokumente wiederzuerlangen. "Wir werden von der Regierung ermutigt, mobile Teams zu gründen, welche die betroffene Gemeinden besuchen und dort kostenfreie vorläufige Ausweisdokumente ausstellen", so Pressesprecherin Flemming in Genf.
Die Vertriebenen hoffen, dass die zerstörten Einfamilienhäuser durch ähnliche Gebäude ersetzt werden, die ihren Bräuchen und ihrer bisherigen Lebensweise entsprechen. Die Regierung plant allerdings den Bau von Wohnungen in mehrstöckigen Häusern. Vor allem aber möchten die Vertriebenen einziehen bevor in drei Monaten der Winter kommt. Dann sind Temperaturen von bis zu minus 25° C zu erwarten.
Veröffentlicht am: 28.07.2010




