United Nations High Commissioner for Refugees
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Malier zwischen Flucht und Rückkehr

© UNHCR/H. Caux
Eine malische Frau im Mangaize-Camp im Norden Nigers. Sie und ihre Familie sind aus ihrer Heimatstadt Menaka im Januar geflohen.

04 Februar 2013

Bamako – In Mali keimt bei vielen Vertriebenen die Hoffnung auf, dass sie bald wieder in ihre Heimat im Norden des Landes zurückkehren können. Gleichzeitig fliehen aus dieser Region aber immer noch viele Menschen in die Nachbarländer. Eine sichere und nachhaltige Rückkehr scheint unter den momentanen Vorzeichen daher noch schwierig.

In der Hauptstadt Bamako hat UNHCR vertriebene Familien interviewt, die sofort in ihre Heimatregionen zurückzukehren möchten, sobald die Straßen im Norden wieder geöffnet werden. Die Busverbindungen zu den Regionen Gao und Timbuktu sind wegen des anhaltenden Konflikts aber noch ausgesetzt.
Während manche Vertriebene ungeduldig auf ihre Rückkehr nach Hause warten, sind andere durch Berichte über Unruhen und Racheakten gegen bestimmte Gruppen sehr beunruhigt. Medien und andere Berichte zeigen, dass insbesondere Tuareg und arabische Minderheiten gefährdet sind, da ihnen die Unterstützung der Rebellen, die schwerer Menschenrechtsverletzungen gegen die Bevölkerung beschuldigt werden, vorgeworfen wird.

Lebensmittel-, Treibstoff- und Strommangel wie auch unterbrochene Gesundheitsversorgung und Ausbildungsmöglichkeiten sind Gründe, die von Menschen genannt werden, die mit der Rückkehr noch warten möchten. Antipersonenminen und Blindgänger sind außerdem eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung als auch für die Hilfsorganisationen. Manche Menschen haben UNHCR auch berichtet, dass ihre Häuser im Norden stark beschädigt wurden und dass sie Hilfe brauchen, um sie zu reparieren oder aufzubauen. Familien, deren Kinder die Schulen in Bamako besuchen, sagen, dass sie erst nach Ende des Schuljahres im Juni in den Norden zurückkehren werden.

Flüchtlinge leben in prekären Bedingungen

Die Lebensbedingungen der Binnenvertriebenen im Süden sind prekär. Familien, die über keine Mittel verfügen, um ein Haus zu mieten, schlafen im Freien, auf Dachterrassen. Insbesondere Kinder leiden unter der Nachtkälte und sind anfällig für Husten und Atemwegserkrankungen, da sie dem Wind und Flugsand ausgesetzt sind.
Die Binnenvertriebenen beklagen den Mangel an Unterstützung von Regierung und Hilfsorganisationen. Den Menschen fehlen Decken, Zelte, Mückennetze, Kleidung und Schulmaterial für ihre Kinder. Viele Binnenvertriebene überleben dank der Großzügigkeit der Nachbarn, die für sie Geld sammeln, damit sie ihre Miete bezahlen und Essen kaufen können. In Bamako leben aktuell rund 50.000 Bienenvertriebenen, die vor Kämpfen und Instabilität im Norden geflohen sind. Unterdessen fliehen auch weitere Malier vor Kämpfen und aus Angst vor Repressalien in die Nachbarländer.

Die Situation in Burkina Faso

In Burkina Faso sind derzeit 43.629 malische Flüchtlinge registriert (Stand: 29. Januar 2013), einschließend 5.411 Personen, die nach dem Beginn der französischen Intervention in Mali angekommen sind. UNHCR verstärkt seine Präsenz in den Grenzgebieten, um den Flüchtlingen schnell helfen und ihre dringendsten Bedürfnisse identifizieren zu können. Die meisten Flüchtlinge, die in den letzten Tagen aus Mali kommen, sind Araber und Tuareg-Frauen und Kinder. Die Tuareg-Männer bleiben zurück, um sich um die Rinder zu kümmern. Die arabischen Flüchtlinge haben zumeist ihre Geschäfte und wirtschaftliche Aktivitäten zurückgelassen.

Die Flüchtlinge nennen Angst vor Luftangriffen und Angst vor Repressalien als Hauptgründe für die Flucht aus Mali. Flüchtlinge haben UNHCR-Mitarbeitern von Angriffen durch bewaffnete Banditen und Milizen aus rivalisierenden ethnischen Gruppen erzählt. Insbesondere arabische Händler wurden angeblich von Banditen beraubt.
Viele Flüchtlingsfamilien mieten Autos oder LKWs um die Grenze zu erreichen. In den letzten Tagen haben die Wetterbedingungen – kalte Nächte und starke, staubige Winde – die Flucht erschwert. Viele Flüchtlinge leiden bereits unter Atemwegsinfektionen.
Die Neuankömmlinge werden an den Grenzen von mobilen Teams von UNHCR oder ihren Partnern empfangen und dann in die Mentao- oder Goudebou-Camps gebracht, wo sie versorgt werden. Als Sicherheitsmaßnahme bringt UNHCR Flüchtlinge aus den Standorten Damba und Gandafabou in der Nähe der malischen Grenze in andere Camps innerhalb von Burkina Faso unter. Das Fererio-Camp wurde schon geschlossen und seine Bewohner sind nach Goudebou, in der Nähe von Dori, umgesiedelt.

Malische Flüchtlinge in Mauretanien

In Mauretanien gibt es derzeit 64.805 malische Flüchtlinge, einschließend 10.688, die nach der militärischen Intervention angekommen sind.
Die UNHCR-Teams vor Ort berichten, dass 90 Prozent der Neuankömmlinge Frauen und Kinder sind. UNHCR und seine Partner arbeiten an der Verbesserung der Aufnahmebedingungen in Fassala, rund drei Kilometer von der malischen Grenze entfernt. Die Gesundheitseinrichtung wurde verbessert und für die Flüchtlinge werden Konvois organisiert, um sie von der unsicheren Grenze zum ca. 50 Kilometer entfernten Mbera-Camp entfernt zu bringen, zusätzlich wird das Camp erweitert.

Wenige Flüchtlinge im Niger

Im Niger bleibt die Zahl der Neuankömmlinge niedrig, da es laut Berichten wenige Transportmittel dorthin gibt. Menschen gehen oft zu Fuß oder mit Eseln bis zu Foukouratan in Mali, etwa 25 Kilometer entfernt von der Grenze, wo sie Verkehrsmittel nach Mangaize-Camp innerhalb Nigers finden. Einige vor kurzem angekommene Flüchtlinge sagen, dass sie aus der Stadt Menaka im Osten Malis wegen Kämpfe geflohen sind.
Insgesamt geht UNHCR von ca. 230.000 Binnenvertriebenen in Mali und über 150.000 malischen Flüchtlingen in Mauretanien, Niger, Burkina Faso und Algerien aus.

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