UNHCR-Weltflüchtlingsstatistik 2009: Mehr als 43 Millionen Menschen auf der Flucht
Berlin/Genf- Im Jahre 2009 waren weltweit 43,3 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Konflikten und Verfolgung. Das ist die höchste Zahl seit Mitte der 1990er Jahre. Gleichzeitig fiel die Zahl der Flüchtlinge, die nach Hause zurückkehren konnten, auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Dies geht aus dem Jahresbericht ‚Global Trends’ hervor, der heute herausgegeben wurde.
In der Schweiz waren es im Vergleich 26’073 Flüchtlings und 20’152 vorläufig Aufgenommene die Zuflucht gefunden hatten vor Verfolgung und Krieg, oder etwa 0.6 % der schweizer Gesamtbevölkerung. Werden Asylgesuchsteller mitgezählt, macht der Asylbereich etwa 0.8 % der schweizer Gesamtbevölkerung aus.
Der Bericht zeigt, dass die die Zahl der Flüchtlinge, die außerhalb der Grenzen ihres Heimatlandes leben, mit 15,2 Millionen sich gegenüber dem Vorjahr kaum geändert hat. Zwei Drittel dieser Menschen fallen unter das Mandat von UNHCR, während ein Drittel unter die Verantwortung des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) fallen. 80 % der Flüchtlinge befinden sich in Entwicklungsstaaten.
"Die großen Konflikte in Afghanistan, Somalia oder der Demokratischen Republik Kongo sind weit davon entfernt gelöst zu werden," sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres, der heute seinen offiziellen Besuch in Deutschland mit einer Grundsatzrede beim Berliner Symposium für den Flüchtlingsschutz begann. „Krisen, die beendet, oder sich zu stabilisieren schienen, wie im Irak oder dem Sudan, dauern an. Folglich war das vergangene Jahr schlecht für eine freiwillige Rückkehr. Es war hierfür sogar das Schlechteste seit 20 Jahren."
Laut dem UNHCR-Bericht konnten im vergangenen Jahr lediglich 251.000 Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt von einer Million Menschen pro Jahr ist das der niedrigste Wert seit den 1990er Jahren. Aufgrund dauerhafter Konflikte leben mehr als die Hälfte der Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat seit fünf Jahren oder länger im Exil ohne Aussicht auf eine rasche Lösung ihrer Probleme. "Ihre Zahl wird unvermeidlich steigen, da weniger Menschen nach Hause zurückkehren", fügte Guterres hinzu.
Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Konflikten innerhalb ihres Heimatlandes fliehen müssen, stieg zum Ende des Jahres 2009 um vier Prozent auf 27,1 Millionen. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem die andauernden gewalttätigen Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo, Pakistan und Somalia.
Zudem stellt der aktuelle Bericht heraus, dass immer mehr Flüchtlinge in Städten, vor allem der Entwicklungsländer, leben.
Die Anzahl neuer Asylerstanträge weltweit stieg im vergangenen Jahr auf fast eine Million. Die meisten Asylsuchenden zählte dabei Südafrika (222.000). In Europa waren es insgesamt 286.700, davon 86 Prozent in den Staaten der Europäischen Union.
UNHCR schützt und unterstützt nicht nur Flüchtlinge, sondern sucht auch nach dauerhaften Lösungen für ihre Probleme. Anhaltende und sich verschärfende Konflikte machen jedoch die von den Aufnahmestaaten und den meisten Betroffenen bevorzugte freiwillige Rückkehr immer schwieriger.
Eine Alternative, die Neuansiedlung von Flüchtlingen aus einem Erstzufluchtsland in einem Drittland (das sogenannte Resettlement), kommt nur für relativ wenige Flüchtlinge in Frage. Letztes Jahr hat UNHCR 128.000 Flüchtlinge für ein Resettlement vorgeschlagen – die höchste Zahl seit 16 Jahren.
19 Aufnahmestaaten akzeptierten bis Ende des Jahres 112.400 Flüchtlinge, darunter die USA (79.900), Kanada (12.500), Australien (11.100), Deutschland (2.100), Schweden (1.900) und Norwegen (1.400).
Die meisten Flüchtlinge, die im letzten Jahr von einem Drittland aufgenommen wurden, stammten aus Myanmar (24.800), dem Irak (23.000), Bhutan (17.500), Somalia (5.500), Eritrea (2.500) und der Demokratischen Republik Kongo (2.500).
Der Bericht 'Globale Trends' bietet auch statistische Angaben zu weltweit insgesamt 6,6 Millionen Staatenlosen. Schätzungen zufolge soll ihre Zahl sogar bei mehr als zwölf Millionen liegen.
Veröffentlicht am: 14.06.2010





