United Nations High Commissioner for Refugees

Flüchtlingsland Schweiz

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© UNHCR/P.Schwendener

Die Schweiz gilt in der Geschichte  lange als ‚klassisches Flüchtlingsland’ für politisch und religiös Verfolgte und wird aufgrund ihrer politischen Neutralität von prominenten Flüchtlingen wie Lenin, Thomas Mann und Richard Wagner geschätzt. Das Land in der Mitte Europas befindet sich allerdings in einer schwierigen Lage. Obwohl die Schweiz eine grosse Zahl jüdische Flüchtlinge aufnimmt (bis 1938 sind  es um die 10'000 Flüchtlinge) verfällt auch die Eidgenossenschaft dem antisemitischen Klima, welches in Europa vorherrscht und verlangt ab 1938 einen roten ‚J’ Stempel im Pass jüdischer Flüchtlinge, der die Einreise in die Schweiz unmöglich macht. Erst 1944 revidiert die Schweiz ihre Flüchtlingspolitik und öffnet ihre Grenze - für viele jüdische Flüchtlinge kommt diese Änderung jedoch zu spät.

1955 tritt die Schweiz der Genfer Flüchtlingskonvention bei. Im darauffolgenden Jahr wird in Ungarn ein Volkswiderstand brutal von sowjetischen Truppen niedergeschlagen woraufhin rund 14'000 Ungarinnen und Ungaren in die Schweiz flüchten, von denen auch 7'000 dauerhaft in der Schweiz bleiben.

1968 besetzen Truppen des Warschauer Pakts die Tschechoslowakei und beenden so gewaltsam den Prager Frühling. Die Schweiz öffnet sofort ihre Grenzen und nimmt 11'000 Tschechoslowaken auf.

1973 stürzen das Militär in Chile den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Der Bund beschliesst 200 Flüchtlinge aufzunehmen, muss aber auf starken Druck der Öffentlichkeit hin das Kontingent erweitern.

In Argentinien putschen 1976 die Militärs und Tausende von Menschen verschwinden. Der Bund lehnt es jedoch ab, ein Kontingent aufzunehmen und prüft jedes argentinische Asylgesuch einzeln.

Ein grosser Flüchtlingsstrom kommt auch aus Südostasien, von wo zwischen 1975 und 1983 rund 8'200 Flüchtlinge aufgenommen werden.

Zu  Beginn der Achtzigerjahre steigen die Asylanträge massiv an und kommen aus einer wachsenden Zahl von Herkunftsländern. Die Schweizer Asylpolitik wird schrittweise restriktiver.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerfall Jugoslawiens treiben viele Menschen in die Flucht. Im Laufe des Krieges in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) sowie des Kosovo-Konfliktes gewährt die Schweiz fast 30'000 bzw. 53'000 Flüchtlingen Schutz.

Nach Beendung der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien begann die Zahl der Asylgesuche wieder zu sinken. Trotzdem bedeuteten andauernde Gewaltsituationen auf dem Balkan wie auch die lang andauernden Konflikte in Ländern wie Afghanistan, Iraq, Eritrea, Sri Lanka und Somalia, dass weiterhin jedes Jahr zwischen 10 000 und 16 000 Menschen in der Schweiz ein Asylgesuch stellten. Im Zuge der Umwälzungen im arabischen Raum seit Dezember 2010 ist erneut eine Zunahme von Asylsuchenden zu beobachten. Die Nachbarländer von Libyen - insbesondere Tunesien und Ägypten - nahmen mehr als eine Million Fliehende auf. Nur gerade 2 Prozent flüchteten aus Libyen nach Europa. Trotzdem stieg die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz 2011 von den ursprünglich angenommenen 15 000 auf 22 000 an.

Der nächste grosse Brandherd im Zuge des Arabischen Frühlings entzündete sich im Frühling 2011 in Syrien und weitete sich schnell zum Bürgerkrieg und schliesslich zu einer der grössten humanitären Katastrophen seit Jahrzehnten aus. 2 Jahre nach Beginn des Konflikts schätzte das UNHCR die Zahl Syrischer Vertriebener auf über 2 Millionen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen hat die Schweiz nebst einem Resettlement Programm für 500 besonders verletzliche Flüchtlinge eine Erleichterung des Familiennachzugs beschlossen, sodass bereits in der Schweiz wohnhafte Syrer Familienmitglieder über ihre Kernfamilien hinaus in die Schweiz holen können.


Factsheet "Vorläufige Aufnahme (VA)"

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